Partizipative Kartierung von kulturellen Sehenswürdigkeiten

University of Rome Tor Vergata
September 2023 to February 2024
Claudio Sossio De Simone ist Doktorand an der Tor Vergata Universität Rom im Bereich kulturelles Erbe, Bildung und Territorium. Seine Forschungsinteressen umfassen GIS und Geoinformationswissenschaften, die auf das kulturelle Erbe sowie geohistorische Studien über ländliche Landschaften angewandt werden.
Er verwendete das Sketch Map Tool als Teil seiner Forschung über die Veränderung des Geländes um einen künstlichen Staudamm in einem ländlichen Gebiet in Süditalien. Ziel dieser Forschung war es, bedeutende Landmarken zu identifizieren und Entscheidungstragenden geographische Daten für die Entwicklung von Kultur-, Umwelt- und Tourismusinitiativen zur Verfügung zu stellen [1].
Warum wurde das Sketch Map Tool verwendet?
Das Sketch Map Tool wurde eingesetzt, um die lokale Wahrnehmung des Gebiets rund um den Occhito-Staudamm zu erfassen, indem ökologisch, kulturell oder sozial bedeutsame Wahrzeichen aus Sicht der lokalen Bevölkerung hervorgehoben wurden.
Das Projekt
Das Untersuchungsgebiet ist eine ländliche Region zwischen Molise und Apulien im Süden Italiens, die überwiegend gebirgig und nur dünn besiedelt ist.
In den späten 1950er Jahren wurde ein künstlicher Staudamm gebaut, durch den der Occhito-See entstand. Das Gebiet zählt zu den sogenannten Natura 2000 Schutzgebieten [2] und bietet durch die Vegetation, die den See umgibt, einen Lebensraum für mehrere geschützte Arten. Jedoch hat der Damm die lokale Umwelt verändert. Die Instabilität der neuen Wasserlandschaft hat zu häufigen Überschwemmungen geführt. Darüber hinaus hat sich das landwirtschaftliche System tiefgreifend verändert und die traditionelle Weidewirtschaft ist fast vollständig verschwunden.
Dieses sich ändernde Szenario sowie die laufenden Bemühungen der Interessensgruppen und lokalen Gemeinschaften, einen neuen Governance-Plan zu entwickeln, unterstreicht die Notwendigkeit einer Verbesserung der räumlichen Kenntnisse über das Gebiet, indem institutionelle Daten mit dem Fachwissen der lokalen Bevölkerung vereint werden.
Wie wurde das Sketch Mapping organisiert?
Gemeinschaftliche Kartierung wurde sowohl mit Erwachsenen als auch mit Schulkindern zwischen 11 und 14 Jahren durchgeführt, die angewiesen wurden, in Kleingruppen gemeinsam an den Sketch Maps zu arbeiten. Die Mapping Session mit A3 (große Skalierung) und A0 (kleine Skalierung) Sketch Maps fand nicht nur im Feld sondern auch im Klassenraum statt. Die Teilnehmenden konnten bedeutsame Wahrzeichen in der Landschaft einzeichnen und diese als "kulturell-natürliche Orte" (z.B. Denkmäler, archäologische Stätten, Vogelbeobachtungsplätze), "problematische Orte" (z.B. mit Müll übersäte Gebiete, überschwemmungsgefährdete Gebiete) und "besondere Orte" mit einem stark ausgeprägten subjektiven Wert (z.B. ein Ort für ein Familien-Picknick, der Ort an dem der Kartierende zum ersten Mal geküsst hat), markieren [3].

Wie wurden die Sketch Maps analysiert?
Im ersten Schritt wurden die Geodaten der digitalisierten Sketch Maps manuell gereinigt, korrigiert und verbessert. Danach wurden die gesammelten Markierungen der Wahrzeichen auf die Google My Maps Plattform hochgeladen, um eine schnellere und bessere Visualisierung der erfassten Daten während der Mapping Session in den Klassenzimmern zu ermöglichen.
Im nächsten Schritt wurde das Heatmap-Plugin in QGIS verwendet, um eine Dichte-Analyse der Punktlayer durchzuführen. Daraus entstanden Heatmaps, die die Intensität eines Merkmals in einem Gebiet auf Basis der Punktdichte visualisieren. Es wurden mehrere Heatmaps erstellt, um die Dichtebereiche der ausgewählten Wahrzeichen zu kartieren, die später zur Analyse der kulturellen und sozialen Aspekte des Gebiets genutzt werden können [4].
Ergebnisse und Wirkung
Die VGI-Daten, die mit den Sketch Map Tool Sitzungen gesammelt werden konnten, sollen mit den institutionellen Daten (z.B. Landnutzungskarten, Zensus-Daten, Karten von kulturellen Stätten) zu einer GIS-Plattform zusammengeführt werden. Dabei wird eine Web-Karte erstellt, die der Entwicklung neuer kulturellen und touristischen Initiativen sowie zur besseren Verwaltung problematischer Gebiete dient.
Gewonnene Erkenntnisse
- Die Kartierenden im Erwachsenenalter wiesen mehr Fähigkeiten bei der Orientierung auf der Karte und bei der Verortung von Landschaftsmerkmalen auf, während die jüngeren Teilnehmenden eher Schwierigkeiten hatten, sich im Raum zu orientieren. Jedoch markierten sie mehr unkonventionelle und subjektiv relevante Landschaftsmerkmale und zeigten Interesse an verschiedenen Gebieten und Eigenschaften der Landschaft.
- Das gemeinschaftliche Kartieren zeigte deutlich ihr Potenzial, bestimmte Aspekte lokaler Ressourcen und Wahrzeichen hervorzuheben, die in der offiziellen Kartographie nicht erfasst sind - insbesondere in Bezug auf Orte von kulturellem oder subjektivem Wert.
- Viele Kartierende finden es einfacher, auf einer Satellitenkarte zu navigieren, statt auf OSM-Basiskarten. Da das Sketch Map Tool 1.0 verwendet wurde, welches nur OSM als Basiskarte unterstützt hat, wurden die Satellitenkarten zusammen mit den OSM-basierten Sketch Maps verwendet, um die Orientierung zu erleichtern. Mit dem Sketch Map Tool 2.0 können nun Satellitenbilder direkt in die Basiskarten integriert werden.
Quellen
- Das mittlere Tal des Fortore (Campobasso), ein Fall von Zerstörung und Umstrukturierung der Wasserlandschaft: Landnutzungsänderungen als Indikator für Veränderungen, 2021
- Biodiversity – Enviromental Information Systems
- Millenium Ecosystem Assessment
- Datenanalyse mit QGIS – GIS Ressourcen Training